Argumente gegen den Sabbat – fair geprüft im Licht der Bibel
Einwände im Neuen- und im Alten Testament hinterfragt
Neues Testament
Paulus und die Gläubigen in Troas brachen das Brot am ersten Tag der Woche (Apg. 20,7)
Apostelgeschichte 20,7 wird häufig als Beleg dafür angeführt, dass die ersten Christen den Sonntag als neuen Ruhetag hielten. Der griechische Wortlaut lautet: τῇ μιᾷ τῶν σαββάτων (tē mia tōn sabbatōn). Mia bedeutet zunächst „eins“ und wird in dieser festen Wendung gewöhnlich als „erster“ verstanden. Sabbaton kann sowohl „Sabbat“ als auch, im entsprechenden Sprachgebrauch, „Woche“ bedeuten. Die heute übliche Übersetzung „am ersten Tag der Woche“ ist daher sprachlich gut begründet, aber bereits eine Deutung und Interpretation.
Doch selbst wenn man diese Übersetzung zugrunde legt, bleibt die Frage, wann genau die Versammlung stattfand. Aus dem Kontext lässt sich schließen, dass sie bis in die Nacht dauerte, da die Lampen brannten (Vers 8) und Paulus bis zum Tagesanbruch weiterredete (Vers 11). Ob sie am Sabbatabend (Samstagabend) oder am Sonntagabend stattfand, hängt davon ab, welche Zeitrechnung Lukas verwendete.
Nach jüdischer Zählung begann der erste Wochentag bereits am Samstagabend nach Sonnenuntergang, während er nach römischer Zählung erst um Mitternacht begann. Eine Versammlung am Sabbatabend ist daher historisch plausibel, aber nicht eindeutig belegt. Um die Bedeutung dieser Begebenheit richtig einzuordnen, sind drei entscheidende Punkte zu beachten:
Grund der Zusammenkunft:
Der Text enthält weder ein Gebot, den Sabbat nicht mehr zu halten, noch eine Anweisung, ihn durch den Sonntag zu ersetzen. Auch der besondere Anlass muss berücksichtigt werden. Paulus wollte abreisen und nutzte die Gelegenheit, mit den Gläubigen zusammenzukommen. Die Versammlung fand im Obergemach statt und diente vermutlich als Abschied für Paulus, weshalb er bis Mitternacht sprach. Dabei wurde Eutychus, ein junger Mann am Fenster, müde, stürzte hinunter und wurde tot aufgefunden. Paulus erweckte ihn jedoch wieder zum Leben (Vers 10). Dieses Wunder dürfte möglicherweise ein Grund dafür sein, dass Lukas den Aufenthalt in Troas in der Apostelgeschichte festhielt. Lukas berichtet von einem konkreten Ereignis, nicht von einer ausdrücklichen Anordnung für alle Gemeinden.
Das Brotbrechen allein beweist keinen verbindlichen Sonntag:
Dass die Jünger zusammenkamen, um Brot zu brechen (κλάσαι ἄρτον, klasai arton), wird häufig als Hinweis auf das Abendmahl und damit auf einen regelmäßigen Sonntagsgottesdienst verstanden. Brotbrechen kann im Neuen Testament jedoch auch gemeinsames Essen bezeichnen (vgl. Apg 2,46; 27,35). Selbst wenn in Troas das Abendmahl gefeiert wurde, beweist das weder, dass es ausschließlich sonntags gefeiert werden durfte, noch dass der Sabbat als Ruhetag aufgehoben worden war. Der Zweck einer Zusammenkunft und die Frage nach dem verbindlichen Ruhetag sind zwei verschiedene Dinge.
Gespräch oder Lehrrede?
Das griechische Wort διαλέγομαι (dialegomai) in Vers 7 bedeutet erörtern, besprechen oder argumentieren und kann sowohl einen wechselseitigen Austausch als auch eine zusammenhängende Lehrrede bezeichnen. Der Begriff legt somit nicht eindeutig fest, in welcher Form Paulus zu den Anwesenden sprach. Aus der Wortwahl allein lässt sich jedoch keine Einführung des Sonntags als verbindlicher Ruhetag ableiten.
Bemerkenswert ist, dass Martin Luther diesen Vers 1545 übersetzte: „Auff einen Sabbath aber …“ Auch die lateinische Vulgata bewahrt die Sabbat-Terminologie: Una autem sabbati. Da sabbatum im kirchlichen Latein auch „Woche“ bedeuten konnte, beweist dies nicht, dass ausdrücklich der siebte Tag gemeint ist. Es zeigt jedoch, dass ältere Übersetzungen den Wortlaut anders wiedergaben als spätere Lutherbibeln, die „am ersten Tag der Woche“ lesen. Das beweist nicht, dass ausdrücklich der siebte Tag gemeint ist, zeigt aber, dass ältere Übersetzungen den Wortlaut anders wiedergaben als spätere Lutherbibeln.

Fazit:Apostelgeschichte 20,7 berichtet von einer christlichen Zusammenkunft, beweist jedoch weder die Abschaffung des Sabbats noch die Einführung des Sonntags als verbindlichen Ruhetag. Ob die Versammlung am Sabbatabend oder am Sonntagabend stattfand, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Selbst wenn sie am Sonntag stattfand, ist eine Beschreibung dieses Ereignisses noch kein göttliches Gebot. Die Frage nach der Gültigkeit des Sabbats muss daher im Zusammenhang mit der gesamten biblischen Zeugnislage beurteilt werden.
Altes Testament
Der Sabbat war nur für Israel bestimmt | 2. Mose 31,16–17
Einwand:
Der Sabbat wurde dem Volk Israel gegeben und war ein Bestandteil des Bundes zwischen Gott und Israel.
Antwort:
Die folgenden zwei Bibelstellen im Buch Mose scheinen den Eindruck zu machen, dass Gott in seinem Bund mit den Kindern Israels, nur ihnen den Sabbat geboten habe. Es heißt dort:
- „Der HERR, unser Gott, hat am Horeb einen Bund mit uns geschlossen. Nicht mit unseren Vätern hat der HERR diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir heute alle hier am Leben sind“. (5. Mose 5,2–3)
- „So sollen die Kinder Israels den Sabbat halten…“ und „Er ist ein ewiges Zeichen zwischen mir und den Kindern Israels…“ (2. Mose 31,16–17)
Man könnte meinen, dass diese Gebote (ihnen) noch nicht bekannt waren und Gott sie für den Bund mit Israel erfand. Allerdings lesen wir in (1. Mose 26,5), dass bereits Abraham ca. 600 Jahre früher, die Gottes Gebote & Satzungen kannte und einhielt. Dort steht:
„Weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und meine Rechte, meine Gebote, meine Satzungen und meine Gesetze gehalten hat.“
Daraus können wir schließen, dass die Gebote Gottes den Menschen bereits bekannt waren, nur noch nicht aufgeschrieben und in „Stein gemeißelt“ waren. Ein weiteres Beispiel ist Josef, auch er hielt sich an die Gebote, in dem er den Ehebruch mit der Frau von Potifar wiederstand und wusste, dass es Sünde war.
„Wie sollte ich ein so großes Unrecht begehen und wider Gott sündigen?“ (Genesis 39,9)
Die Schlussfolgerung daraus ist, nur weil Gott durch den Bund mit dem Volk den Sabbat gebot, kann man nicht daraus schließen, dass: a) die Gebote nicht bereits existierten und b) sie nur für Israel galten.
Warum konnten sie nicht nur für Israel gegolten haben?
Genauso wie den Ehebund (1. Mose 2,24) schuf Gott im Paradies, ganz am Anfang, den Sabbat. Er heiligte den siebten Tag und ruhte an ihm (1. Mose 2,2–3). Im Text steht direkt „Schabat (hebräisch שָׁבַת)“. Schabat heißt übersetzt „ruhen“. Sinngemäß „sabbatete“ Gott am siebten Tag. Daher verweisen fast alle Gebote, die sich auf den Sabbat beziehen, auf die Schöpfung.
Im Paradies gab es weder Juden noch das Volk Israel, es gab nur allgemein den Mensch. Dieser wusste durch Gespräche und die Beziehung zu Gott vom Ehebund und das Gott am siebten Tag geruht hatte. Wenn aber die Ehe akzeptiert wird, die ebenfalls im Garten Eden entstand, wieso dann nicht auch der Sabbat? Der Sabbat und die Ehe werden durch die Gesetze des Mose für das Volk geregelt, aber den Ursprung haben beide bei der Schöpfung und sind somit universell gültig. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass der Sabbat Gott erst bei der Wanderung durch die Wüste wichtig geworden ist. Das Wort Bund (5. Mose 5,2–3) bezieht sich nicht auf die Gesetze an sich, sondern auf die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk.
Es gibt eine weitere Bibelstelle, die den Sabbat in seinem Wesen gut erklärt. Interessanterweise sagt Jesus zu den Pharisäern (Markus 2,27), als seine Jünger von ihnen angeklagt wurden, als sie „verbotenerweise“ am Sabbat Ähren rauften:
„Der Sabbat ist um des Menschen willen geworden und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“
Jesus verwendete das griechische wort „anthrōpos“ (Menschheit im generischen Sinn), um zu zeigen, dass der Sabbat als Gabe für die gesamte Menschheit gedacht ist und nicht nur für eine bestimmte Gruppe1 (wie bspw. das Volk Israel oder Juden).
Der entscheidende Gedanke liegt in der Gegenüberstellung: Nicht der Mensch ist dazu da, einer religiösen Ordnung um ihrer selbst willen zu dienen, vielmehr ist der Sabbat zum Wohl des Menschen eingesetzt. Der Sabbat soll dem Menschen dienen und ihm zugutekommen, nicht zu einer Last werden, die seinen eigentlichen Zweck verkehrt.
Gott gebot seinem Volk, einen Ruhetag einzuhalten. Er wollte, dass dieser Tag den Menschen zugutekommt. „Um des Menschen willen“: Die griechische Wendung, die in der Berean Standard Bible hier mit „for man“ („für den Menschen“) übersetzt wird, bedeutet „um der Menschheit willen“ oder „zum Wohl der Menschen“. Das Wort „Mensch“ bezieht sich dabei nicht ausschließlich auf Männer. Gott wollte, dass der Ruhetag den Menschen zugutekommt. Die New Living Translation (Ausgabe von 1996) gibt den Satz entsprechend wieder: „Der Sabbat wurde zum Wohl der Menschen geschaffen.“2
1 https://columbiaunionvisitor.com/2021/march-6-2021-anthropos
2https://tips.translation.bible/story/sil-translators-notes-on-mark-227/
Fragen außerhalb der Bibel
Wurde durch Kalenderreformen die Reihenfolge der Wochentage verändert?
Im Laufe der Geschichte gab es mehrere Kalenderreformen. Besonders bekannt ist die Einführung des gregorianischen Kalenders, die 1582 begann und von verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten übernommen wurde. Dabei wurden Kalendertage übersprungen, um den Kalender an das Sonnenjahr anzupassen. Die Reihenfolge der Wochentage blieb nach den historischen Belegen jedoch erhalten. Kalenderreformen allein liefern daher keinen Beleg dafür, dass der siebte Wochentag verschoben wurde. Ob daraus auch die theologische Schlussfolgerung folgt, dass der heutige Samstag genau dem biblischen Sabbat entspricht, ist eine weiterführende Frage.